06.07.2016

Schnurlos.

Hier entlang bitte: Schnurlos.
Danke.

17.06.2016

Schirme.

Heute sind sie wieder alle in Höchstform und stoßen aneinander mit ihren Regenschirmen und ihren Bildschirmen und eine kleine Großstadt in Süddeutschland, die schon immer anders sein wollte, bringt endlich Leuchten an am Boden, weil die Leuchten geradeaus nicht mehr reichen, um Aufmerksamkeit undoder Nachdenken anzukurbeln. Dann eben Bodenlampen zur Förderung der allgemeinen Rücksichtslosigkeit und heute ist ohnehin alles wertlos und geht mit dem Dauerregen den Bach runter, weil die Nationalmannschaft und damit der verlängerte Arm des so ersehnten Zugehörigkeitsgefühls wieder nichts zustande gebracht hat auf dem Rasen. Rasend macht uns das in unserer Hoffnung nach Ablenkung von alldem Scheusal, dem sich keiner widmen mag. Wer will schon hören von Krieg und Flucht und Mord und Totschlag und Misshandlung und korrupter oder nur im Zeichen einer vermeintlichen Religion verfehlend handelnder Justiz. Alle schuldig und keiner verantwortlich beziehungsweise keiner Verantwortung bewusst. Rempeln wir uns ruhig an gegenseitig und reißen uns auseinander statt zusammen mit verzerrtem Mundwinkel und Ekel im Blick. Wir haben ja sonst nichts zu geben und beide Hände sind voll: mit Schirmen beladen. Den Schaum vorm Mund spült derweil der Regen davon und wenn nicht der, dann das nächste erfrischende Kaltgetränk.

23.06.2013

Halbschattenplatz.

Halbschattenplatz nah am Wasser gebaut. Bis die Sonne dreht und es fühlt sich an, als sei Schatten gleich Wind und Sonne gleich nicht und also still. Im Wind sitzt eine Frau mit Zigarette, als gehe sie nie aus. Im Nichtwind Hunde und Menschen und Verständnis. Die Buchseiten reflektieren, ein Kinderlachen irgendwo, die Strömung und ein röchelnder Hund mit Stöckchen zwischen den Zähnen irgendwo inmitten seines hellen Fells. Kopfschütteln. Heute atmen wir nicht und ziehen die Socken aus und vergessen das. Einsamkeiten und Zweisamkeiten und Kollektive. Wir zeichnen einen Busch, der nach nichts aussieht und schreiben ein paar Sätze, die wir nicht mehr lesen können. Ein Gesicht ist von weitem nur ein Strich. Da gibt es keine Dimensionen mehr. Kopfkino. Wir schreiben uns um unsere Herzen und denken uns um unsere Zeit. Und wachen auf nachts und trinken Kaffee nachts und trauen den Uhren nicht mehr und den Abfahrtszeiten von Verkehrsmitteln und Besuchern. Das Fernsehen teilt uns die Umstellungen mit und wann wir raus gehen sollen und wann wir rausgehen müssen, weil: Morgen ist ein anderer Tag. Waschmittelduft und Teebaumöl irgendwoher und auf dem Balkon reden die Menschen mit den Strichen als Gesicht. Es hallt ja nur so. Pflastersteine zählen beim Spaziergang und Knirschen von Steinen unter Autoreifen beim Einparken an allen Ecken in allen Vierteln in allen Städten. Debatten um Preise und um Standard und Führung oder Nichtführung und Haltung. Mit Rückenschmerzen vor Geschäften stehen mit Schlangen bis zur Straße. Eine Frau sitzt weinend an einem Geländer, Polizei um sie herum. Zwei Männer mit Lederjacken krallen sich einen dritten und nehmen ihn mit. Auf dem Weg zur Apotheke.
Wir starren auf Bildschirme und auf vorbeitrabende Menschen und Gesprächsfetzen. Sehen ihnen hinterher und vermissen sie für ein paar Augenblicke und schwanken im Laufen und: Der Weg ist das Ziel. Schritte zählen und erinnern. Kniebewegungen und Fußbewegungen und all die Szenen in den Gelenken.
Suchen und Versuchen und Warten. Jemand liest etwas vor, ein anderer hört etwas an. Aneinander vorbeileben und sich kaum wahrnehmen und Straßen erkennen und nicht wissen, woher. Da steht man dann und hält kurz an an der Ecke und sieht sich um und denkt sprunghaft. Und geht weiter. Bevor der Fernseher den Regen ankündigen kann.